Projekt: Hühnerstall – Sitzstange & Kotbrett

Zwei Jahre ist es nun her, da habe ich diesen Stall gebaut und auch wenn er hier, digital, nie fertig wurde, so wurde er es in Realität. Ich möchte euch in den nächsten 1 bis 2 Artikeln die fehlenden Kapitel nachreichen und im Anschluss davon berichten, was ich gelernt habe, was ich anders machen würde und was sich bewährt hat.

Mit dem Kalken war der Stall eigentlich so gut wie fertig. Es fehlten noch ein paar Dinge hier und da, aber die Zeit drängte und die Hühner mussten einziehen. Was fehlte also noch? Klar, Sitzstange und Kotbrett, irgendwie untrennbar miteinander vereint. Wenn man sich ein wenig mit der Thematik auseinander setzt wird einem schnell bewusst, dass beides nicht ganz trivial zu sein scheint: Sitzstangen, ihre Dicke und Form sind eines der konroverst diskutierten Themen in der Welt des Stallbaus und das Kotbrett ist die Schnittstelle zum Stall, welche ihr am häufigsten nutzen werden müsst. Wer hier Mist baut, schimpft bei jeder Stallreinigung in den nächsten Jahren über eben diesen. Schauen wir uns also an, was es hier vermeintlich alles falsch zu machen gibt.

Warum braucht man eigentlich ein Kotbrett? Das ist eine Frage, die man sich als Hühnerneueinsteiger, berechtig stellen darf. Und die Antwort ist recht einfach: Weil Hühner scheißen wie die Blöden! Aber das tolle ist, wenn sie im Stall sind, tun sie dies bevorzugt auf der Stange sitzend. Ein Narr also, wer nicht versucht den Mist gleich hier gezielt abzufangen. Wer also gerne seinen Stall ausmistet und das auch immer gleich komplett, der braucht kein Kotbrett. Für alle anderen empfiehlt sich eines. Richtig viel zu beachten gibt es dabei nicht.

Kotbrett
Viele Hühnerarten sitzen gerne etwas höher und wenn man dann die Scheißeauffangeinrichtung (denn genau genommen muss es sich nicht um ein Brett handeln) direkt unter der Stange montiert, geht 1. nichts daneben, beachtet bitte, dass die Damen in beiden Richtungen auf der Stange sitzen können, und 2. können die Hühner auch den Platz unter dem Kotbrett nutzen, was gerade bei kleinen Ställen eine schöne Möglichkeit ist mehr Platz herauszuholen. Und genau so habe ich es dann auch gemacht.

Dann sollte man darauf achten, dass die Hühner nicht direkt an ihren Kot gelangen können, da dies ihrer Gesundheit nicht zuträglich wäre und sie diesen womöglich doch wieder im ganzen Stall herumscharren würden. Dies ist relativ einfach zu bewerkstelligen indem man über dem Brett einen Rahmen anbringt und mit Hasendraht oder ähnlichem bespannt. Somit können die Damen die Fläche noch begehen, kommen aber nicht mehr an den darunter liegenden Kot heran. Das Drahtgeflecht sollte natürlich nicht zu feinmaschig sein, da sonst sehr viel Scheiß hängen bleibt.

Besonderes Augenmerk solltet ihr dann der Fläche schenken, auf die der Kot fällt. Diese sollte möglichst einfach zu reinigen sein. Somit ist ein reines, unbehandeltes Holzbrett gar nicht so ideal. Noch besser ist es, wenn sich das Brett ganz entfernen lässt, damit man es außerhalb des Stalls schnell reinigen und dann wieder zurücktun kann. Dafür ist mir in diesem ersten Stall noch nicht die richtige Idee gekommen, aber ich habe das eigentliche Brett mit einem Stück PVC Boden, welchen ich noch übrig hatte, bezogen (siehe unten). Da der Stall recht tief ist, musste ich mir beim Reinigen immer mit einer Harke behelfen und mit dieser den Mist nach vorne ziehen. Durch den PVC Boden ging das aber trotzdem immer noch recht gut. Hier gibt es unzählige Möglichkeiten und anhand des Ausmaßes der Kreativität der Menschen sieht man ganz gut, dass sich mit einer klugen Konstruktion hier massig nervige Arbeit sparen lässt. So gibt es auch viele Menschen, die das Kotbrett mit Zeitungen auslegen, welche man dann recht schnell entfernen kann. Ich wüsste aber dann schon nicht mehr wohin mit diesem Abfall. In den feuchten und kalten Monaten werfe ich schon mal ein wenig Einstreu auf das Kotbrett, um Feuchtigkeit zu binden, denn ich kann euch gleich sagen, die Sommermonate sind mir deutlich lieber als der Wintermonate beim Ausmisten, und das nicht nur weil die Damen dann auch weniger in den eigenen vier Wänden scheißen.

Bleibt nur noch eines zu klären: Wie oft mistet man aus? Anders als viele andere möchte ich dazu hier keine allgemein gültigen Zahlen nennen, denn ich denke das macht keinen Sinn. In erster Linie kommt es auf die Zahl der Hühner und die Fläche des Stalls an. Ich habe von Anfang an recht wenige Hühner auf großer Stallfläche gehabt und ich komme sehr gut damit hin das Kotbrett nur am Wochenende zu reinigen. Viele sagen, dass man dies täglich tun sollte und ich kann dort nicht widersprechen, je häufiger desto besser wird es sein. Aber letzteres ist für mich nicht praktikabel und es funktioniert alles gut bisher. Den ganzen Stall, inklusive Nester & Co. miste ich nur nach Gefühl aus. Dies tue ich einfach, wenn es anfängt nicht gut zu riechen, einfach viel Feuchte im Stall ist, oder das Einstreu verschmutzt ist, durch Federn, Kot, usw. Dadurch, dass der meiste Mist aber auf dem Kotbrett oder draußen landet, reicht bei mir oft einmal im Monat. Groben Schmutz entferne ich dabei immer sofort, wenn ich ihn sehe.

Sitzstange
Bei der Wahl der Sitzstange kann ich nicht wirklich etwas beisteuern. Es heißt hier immer die Stange soll nicht vollständig rund sein, aber auch nicht zu kantig. Gründe werde meist nicht genannt, dabei würde mich vor allem mal interessieren warum rund nicht optimal sein soll, wo Äste genau dies eben sind. Aber ich will nicht auch noch wild mitspekulieren ohne irgendeine Ahnung zu haben. Ich nehme das nur zum Anlass in Zukunft mal ein Experiment zu wagen, bei dem ich die Hühner einfach wählen lasse, was am Ende natürlich auch nicht direkt darauf schließen ließe, was das Beste für sie ist. Aber näher komme ich wohl nicht heran. Solange ich dies nicht getan habe, bleibe ich erstmal bei dem was ich habe: Ein ca. 5cm breites Kantholz, dessen Ecken ich rund geschliffen habe. Die Hühner sitzen drauf, mehr kann ich dazu nicht sagen. Aber, sie sitzen eben auch auf dem gleichen Kantholz draußen am Stall, welches nicht abgeschliffen und eckig ist, weil es nie dafür gedacht war, dass dort Hühner drauf sitzen. Und sie sitzen eben auch auf Ästen von Busch und Baum, wenn ihnen einmal die Flucht gelungen ist und sie zur Schlafenszeit nicht mehr zum Stall zurückkommen, bis ich sie dann gefunden habe…

Man hört sehr oft, dass die Sitzstangen nicht in unterschiedlichen Höhen angebracht sein sollen, um Kämpfe in der Hackordnung nicht zu provozieren. Klingt für mich eigentlich eher danach, dass man eben genau damit Ärger provoziert, da die Tieren eben eine Hackordnung haben und dieser so keinen Ausdruck verleihen können. Naja, ich wiederhole mich, wenn ich sage, dass ich keine Ahnung habe und mich deswegen nicht an Diskussionen dieser Art beteiligen will, zumindest solange ich keine Fakten habe. Viel wichtiger ist, dass man den Hühnern nicht die Möglichkeit gibt höher zu sitzen als die Sitzstange, denn wenn sie es können, dann tun sie es und wenn es nur ein winziger Fenstervorsprung ist. Achtet bei der Konstruktion also darauf und zieht Überhänge, Vorsprüngen vor. Bei mir sitzen die Hühner alle auf einer Höhe und wenn sie ab und an Streit haben schläft das rangniedrigste Tier auf dem Boden im Nest… ob dies auch so wäre wenn es Stangen in unterschiedlichen Höhen gäbe? Ich weiß es nicht. Es passiert zu selten als dass ich das Ganze empirisch untersuchen könnte, also lass ich es. Ich weiß aber auch, dass viele Menschen erfolgreich Hühner auf Sitzstangen in unterschiedlichen Höhen halten. Es gibt am Ende vermutlich ein besser oder eben schlechter, die Frage ist aber wohl eher, ob es wirklich eine so große Rolle spielt, dass man soviel darüber reden und streiten muss. Vermutlich nicht, und deswegen höre ich jetzt auf zu reden…

PS:
Ok, noch eine kleine Anregung. Ich habe die Sitzstange auf zwei Gewindestangen angebracht wie ihr oben gesehen habt. Das muss man so nicht tun, aber wenn man es macht, kann man dies nutzen, um eine spezielle Art der Milbenabwehr zu installieren. Man kann unter der Sitzstange, ebenfalls auf der Gewindestange ein Gefäß, z.B. eine Blechdose, anringen und abdichten. Dieses Gefäß kann man dann mit Öl füllen. Wenn man jetzt noch eine größere Dose umgekehrt darüber anbringt kann auch kaum Dreck hier rein gelangen. Wenn eine Milbe aus dem Stall zum Huhn gelangen will muss sie nun durch dieses Öl und das kann sie nicht. Natürlich bringen die Hühner, wenn es einen Befall gibt, auch selber Milben mit auf die Sitzstange, diese muss man dann anders abwehren, aber es schaffen eben nicht noch mehr aus ihren Ecken und Ritzen zu den Hühnern. Zumindest in der Theorie, denn ich habe dies nie ausprobiert. Ich wollte dies ursprünglich, aber dann haben mich Fehler in der Konstruktion davon abgehalten. So sind meine Gewindestangen viel zu nah an den Wänden des Stalls, so dass eine Dose hier gar nicht dazwischen passt. Probleme mit Milben hatte ich bisher so oder so aber keine.


Zum gesamten Stallbau-Projekt geht es hier

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