Läuse! Hausmittel auf dem Prüfstand – Teil 1

Dieses Thema interessiert glaube ich jeden und es wird auch immer wieder heiß diskutiert. Aber bevor wir loslegen liegt mir noch eines auf dem Herzen. Wir sprechen hier von Hausmitteln. Das heißt sie sind meist günstig und schnell mit Mitteln, welche die meisten von uns zuhause haben herstellbar. Das heißt aber gleichzeitig nicht, dass sie automatisch weniger umweltschädlich sind als herkömmliche Insektizide! Ich möchte niemandem vorschreiben was er wie in seinem Garten tut, ich möchte nur, dass ihr euch dessen bewusst seid. Denn, wenn ihr Hausmittelchen aus Gründen des Naturschutzes nutzen wollt und nicht nur alleine des Geldbeutels wegen, so macht euch vorher bewusst wie diese wirken! Ein gute Beispiel sind in Wasser eingelegte Zigarettenstummel. Ganz klar ein Hausmittel, aber das enthaltene Nikotin ist ein Insektizid, welches nicht zwischen Blattlaus und andere Insekten unterscheidet und anhaltend wirkt. Ein Grund warum wir das Mittel nicht verwenden. Um euch aber zu helfen, versuche ich im Folgenden nicht nur darauf einzugehen, ob ein Mittel wirkt oder nicht, sondern auch wie. Eines kann ich euch aber schon jetzt sagen, bei machen Mitteln kann ich euch nicht sagen wie sie wirken, weil man dran glauben muss. 😉

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Alles begann damit, dass dieses Jahr irgendwer möchte, dass ich keine dicken Bohnen ernte (auch Sau-, Ackerbohne, …). Es sind nacheinander drei Pflanzen umgeknickt und ich habe mittlerweile nicht mehr den Kater sondern Schnecken im Verdacht und jetzt ist auch noch eine von der schwarzen Bohnenblattlaus befallen, was bei der Ackerbohne leider fast schon obligatorisch ist. Gehütet und beschützt werden diese von ein paar Ameisen, was es möglichen Fressfeinden wie der Marienkäferlarve auch nicht einfacher macht. Das nahm ich zum Anlass eines der am häufigsten genannten Hausmittelchen mal auszuprobieren: Den Brennnesselsud. Brennnesseljauche benutze ich ja schon verdünnt zum Düngen und der Sud ist einfach der kleine Bruder, eben nur einen Tag durchgezogene und nicht vollständig vergorene Brennnesseln. Also zog ich los mit Beutel und Schere, um Brennnesseln zu sammeln. Dem aufmerksamen Leser wird direkt aufgefallen sein was fehlte, genau Handschuhe! Hab ich natürlich vergessen, war klar. Ich wollte aber nicht zurück und so hab ich mir eben kurzerhand einen Socken ausgezogen und als Handschuhe benutzt. Funktioniert… geht so 😀 . Man liest immer mal was von 1kg Brennnesseln auf 10l Wasser, Leute was stimmt nicht mit euch? Lauft ihr mit einer Waage durch Feld und Flur?! Ich hab einfach soviel gesammelt wie ich dachte gut in einem 10l Eimer gehen. Ich hab die Brennnesseln dabei in der Mitte abgeschnitten so sollen sie weiterwachsen können. Zuhause angekommen habe ich mir dann tatsächlich Handschuhe gegönnt und das Grünzeug direkt in einem Eimer klein geschnitten und mit Regenwasser aufgefüllt. Das bleibt jetzt bis morgen nach der Arbeit stehen.

Am nächsten Tag war ein schöner brauner Sud entstanden. Den habe ich in eine Spritzflasche umgefüllt natürlich ohne die Pflanzenteile, die gingen auf den Kompost. Diesen Sud habe ich jetzt voller Enthusiasmus in den nächsten drei Tagen immer wieder auf die befallene Pflanze und ihre Nachbarn gegeben, mehrfach am Tag.

Drei Tage Später.

Was ist passiert? Überraschung, die Blattlauspopulation ist explodiert und auch die Nachbarpflanzen sind befallen. Damit habe ich wirklich nicht gerechnet. Natürlich ist das hier kein wissenschaftliches Experiment, denn die Bedingungen sind alles andere als kontrolliert oder reproduzierbar, aber diesem Hausmittel wird überall so viel Wunderwirkung zugesprochen, dass ich mit dem Gegenteiligen Ergebnis nicht gerechnet habe. Ob es eine Langzeitwirkung gibt? Weiß ich nicht, aber wenn ich etwas gegen Läuse brauche dann immer ein akutes Mittel. Ich möchte nicht den ganzen Garten vorbeugend gegen Blattläuse behandeln, die Zeit habe ich nicht und so lange die Schäden nicht zu groß sind sollen sie auch einfach machen. Nun ist die Frage, warum sollte der Brennnesselsud eigentlich funktionieren? Die Pflanze enthält Ameisensäure. Diese wird, allerdings hochkonzentriert, zum Beispiel auch in der Imkerei dazu verwendet die Varroamilbe zu bekämpfen. Dabei werden auch die Bienen etwas in Mitleidenschaft gezogen, aber eben nicht so stark wie die Milben. Um solch eine Wirkung auch bei unseren Läusen zu erzielen ist vermutlich die Konzentration des Suds viel zu gering. Zudem oxidiert Ameisensäure an der Luft zu Wasser und Kohlenstoffdioxid und das bringt nun wirklich keine Laus mehr um 😉 . Wie schnell diese Reaktion abläuft kann ich euch aber nicht sagen.

milch
Bild Couleur

Ok, Brennnesselsud ist bei mir durchgefallen. Aber wie steht es jetzt eigentlich mit den ganzen anderen Hausmitteln, welche einem in jedem Forum und jeder facebook Gruppe täglich um die Ohren gehauen werden?! Hat die wirklich mal jemand selbst ausprobiert, oder wird hier nur stumpf nachgeplappert? Nein, bestimmt nicht 😉 . Das war alles so nicht geplant, aber ich wollte es jetzt wissen und so nahm ich mir das nächste Hausmittel vor: Milch. Gemischt werden ein Teil Milch mit zwei Teilen Wasser. Klingt toll, vor allem einfach und man braucht nicht mal Handschuhe! 😀

Drei Tage später.

Nix. Weiterhin überall muntere Läuse. Viel mehr sind es nicht geworden, aber weniger definitiv auch nicht. Das Beet stinkt jetzt nach vergammelnder Milch, aber ich glaub das war es auch. Für drinnen ist das schon mal gar nichts. Nach langer Recherche fand ich dann tatsächlich einmal den Hinweis man müsse auf jeden Fall frische Milch verwenden sonst funktioniere es nicht. Hm, toll hatte ich nicht, ist bei den einsilbigen Antworten in sozialen Netzwerken auf die zugegebenermaßen immer gleichen Fragen dann wohl irgendwann mal wegrationalisiert worden. Versuche ich aber auch nicht mehr, denn die H-Milch hat schon genug gestunken und, wenn die frische Milch dann nicht funktionieren würde hätte ich sie bestimmt an Vollmond selbst zapfen müssen?! Lassen wir das mit der Milch einfach. Gibt es denn einen Grund warum Milch wirken könnte? Ja, tatsächlich den gibt es. In Milch ist Lecithine enthalten und dieses wird teilweise wirklich als Insektizid verwendet. Dabei wirkt es rein physisch und erstickt die Opfer. Ob die Konzentration in Milch allerdings reicht? Auch weiß ich nicht, ob der Lecithinegehalt in H-Milch tatsächlich geringer ist als in frischer. Besonders hoch ist dieser jedenfalls in Buttermilch, wenn ihr es also mal versuchen wollt, nehmt am besten diese.

tee
Bild congerdesign

So, was gibts sonst noch so? Koffein! Hört man auch sehr oft. Entweder in Form von Tee oder Kaffee. Ich hab mich für die Variante mit schwarzem Tee entschieden und so habe ich ein paar Beutel schön lange ziehen lassen und wieder in meine Spritzflasche abgefüllt. Direkt auf die Milch jetzt den Tee, wenn es britische Läuse sind wird es sie freuen.

Drei Tage später.

Koffein wird tatsächlich auch insektizide Wirkung nachgesagt und so ist es evolutionär wohl auch mal in die entsprechenden Pflanzen gekommen, aber halten wir es kurz, war nix. Gleicher Anblick wie vorher nur stinkt der Tee wenigstens nicht.

soapBubbles
Bild kirahoffmann

Angefangen hat das hier mal ganz locker mit einem Beitrag in dem ich euch einfach eine weitere Anwendung von Brennnesseln zeigen wollte. Jetzt geht es meinen Bohnen mittlerweile gar nicht mehr gut. Und deswegen hab ich das Experiment an dieser Stelle erstmal abgebrochen und nur noch ein Hausmittelchen angewendet von dem ich aber wusste, dass es funktioniert. Zusatzfreie Schmierseife oder auch Kaliseife oder Natron-Seife! Diese wird in Wasser gelöst (ca. 200g Seife auf 10l Wasser) und soll auch mechanisch wirken. Die Seife bildet einen Film über den Läusen, welcher diese erstickt. Die Wirkung ist sehr lokal und lässt bei Abtrocknung auch schnell nach. Das ist natürlich super, wir müssen nur drauf achten die Läuse auch wirklich zu benetzen, jede die nicht erwischt wird überlebt. Nach nur einem Tag und nur einer Anwendung war keine einzige Laus mehr zu finden. Die Ameisen ja, aber diese stören mich erstmal nicht. Kontrolliert die Pflanzen dann nochmal nach ca. 10 Tagen, da dann die nächste Generation aus den in den Boden gelegten Eiern schlüpft. Nehmt bitte kein Spülmittel oder ähnliches wie es immer wieder empfohlen wird, denn diese können auch den Pflanzen schaden und, wenn die Pflanze es überlebt habt ihr zwar Bohnen, aber diese schmecken nach den Duftstoffen der Seife, lecker! Wenn ihr euch unsicher seid, so bietet auch die Firma Neudorff Mittel an, welche genau so funktionieren. Dieses gibt es einmal zum Anmischen in Wasser oder direkt zum Sprühen. Habe ich letztes Jahr selbst schon verwendet, funktioniert!

Ich will das Hausmittelexperiment aber trotzdem bald weiter führen. Verratet ihr mir doch mal eure Geheimtipps oder einfach ein Mittelchen von dem ihr schon immer mal wissen wolltet, ob es funktioniert. Oder sagt mir was ich vielleicht falsch gemacht habe bei den durchgefallenen drei Kandidaten, Brennnesseln, Milch und Tee.  Ich bin gespannt auf eure Vorschläge. Wenn ihr erfahren wollt wie es dann weiter geht folgt uns doch einfach entweder hier auf wordpress, indem ihr nur eure eMail hinterlasst oder euch registriert oder, aber einfach mit einem Like auf unserer facebook Seite.

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